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Gliederung der hier downloadbaren Folienpräsentation (pdf):
I. Presseschau. Was sagen die Wohlfahrtsverbände zu den Sozialkürzungen? Was sagt und macht „die Politik“?
II. Tiefere systemische Ursachen im gesamten Kinder- und Jugendhilfesystem:
- Soziale Spaltung, Armut, Kinder- & Familiennot
- Aufblähung der „Hilfen zur Erziehung“ (§ 27-35 SGB VIII), Heimeinrichtungen
- Stiefkind Jugendarbeit (u.a. niedrigschwellinge, offene Angebote)
- Wo sind die ursprünglich 25 Bremer Freizis geblieben?
- Der „Care-industrielle Komplex“
III. Die Kinder- und Jugendhilfe vom Kopf auf die Füße stellen. Was können wir tun?
- Die Stadtteilgenossenschaft Hamburg-Horn
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Liebe Freunde und Freundinnen, liebe Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen, liebe Studierende der Sozialen Arbeit,
unsere Vision ist - wie unser Logo schon ausdrückt - eine sozial gerechte Stadt Bremen. Der Bremer Senat behauptet, wir könnten uns das "nicht mehr leisten", die soziale Spaltung in der Stadt wird verschlimmert. Finanzsenator Björn Feckers Ankündigung "sehr harter Entscheidungen" am 19.08.2024 im Weserkurier war der Startschuss für eine weitere Welle finanzieller Aushungerung (und Schließung?!) präventiv wirkender und Lebensverhältnisse stabilisierender Einrichtungen. Besonders betroffen: die Kinder- und Jugendförderung (Freizeitheime, Clubs, Spielplätze, Jugendfarmen, Jugendverbände, Beratungsgebote), Suchtberatung und Drogenprävention, Familienarbeit (z.B. Spielkreise in den Häusern der Familie), Altenbegegnungsstätten und unzählige weitere offene, niedrigschwellige Angebote, für die keine "Fallakte" nötig ist.
Wir wollen deshalb das Bremer Bündnis Soziale Arbeit (BBSA) im Sinne der Gründung 2011 wiederbeleben als Aktions- und Vernetzungsplattform gegen diese brutale Sozialkürzungswelle, die besonders die Bürger mit kleinem Geldbeutel trifft. Wir knüpfen dabei an unsere letzte große Veranstaltung im DGB-Haus "Soziale Arbeit in Bremen: auf dem falschen Gleis?!" an - Infos hier: https://bremerbuendnissozialearbeit.jimdofree.com/aktionen-fachtage/soziale-arbeit-in-bremen-auf-dem-falschen-gleis-fachabend-19-11-2019/
Wir wollen uns mit allen Interessierten treffen am Dienstag, 24. Februar 2026 um 17:00 Uhr im DGB-Haus, in den Räumen der GEW, Am Bahnhofsplatz 22-28, 28195 Bremen
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(Von Manfred Steglich) Während bezahlbarer Wohnraum fehlt und immer mehr Menschen in Armut leben, ist Bremen bereit für das größte Fest seit Jahren [Weserreport 1. Febr.]. 7,5 Millionen Euro für drei Tage Einheit. Man gönnt sich ja sonst nichts.
Bürgermeister Bovenschulte ist bereits in Partylaune. 300.000 bis 400.000 Gäste, Blaulicht-Meilen, Verfassungsorgane, Gottesdienst, Bundespräsident, Kanzler – und mit Sicherheit auch die Bundeswehr. Bremen präsentiert sich als das, was es sein will: gastfreundlich, weltoffen und sicherheitspolitisch aufgerüstet.
Kein Wort darüber, dass die deutsche Einheit ohne einen Schuss möglich war. Kein Wort über die Rolle der sowjetischen Seite, die den Mauerfall politisch ermöglicht hat. Kein Wort über die Enteignung des DDR-Volksvermögens, die Abwicklung ganzer Industrien, die sozialen Brüche, die bis heute nachwirken. Geschichte wird gefeiert, solange sie ins Bühnenbild passt.
Dafür glänzt Bremen als „Space-City Nummer eins“. Hyperschallflugzeuge, Militärsatelliten, Logistikknoten Bremerhaven – wer Kultur kürzt, kann wenigstens Raumfahrt. Wer offene Kinder- und Jugendarbeit ausdünnt, braucht schließlich Platz für Partys.
Die Botschaft ist klar: Für Schulen fehlt das Geld, für Theater wird gespart, für Soziales gilt Haushaltsdisziplin. Für Militär, Sicherheit und staatliche Selbstdarstellung stehen Mittel bereit. Einheit kostet – vor allem sozial.
Am Ende bleibt vor allem eines sichtbar: Während Armut verwaltet und soziale Brüche vertagt werden, feiert sich der Staat selbst. Einheit wird inszeniert, Sicherheit demonstriert, Stärke ausgestellt. Dass viele von dieser Einheit längst abgehängt sind, stört das Programm nicht. Hauptsache, die Kulisse stimmt.
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(von Rodolfo Bohnenberger) Das vom Bremer Senat beschlossene brutale Sozialkürzungsprogramm führt auch zum Aus der Spielkreise in den Häusern der Familie, das sind 19 Gruppen mit 160 Kindern. PETITION mitzeichnen: S21-282 Pädagogische Spielkreise Rettung der pädagogischen Spielkreise im Land Bremen Kurzdarstellung: Gegenstand der Petition ist die geplante Schließung der Spielkreise in Bremen. https://petition.bremische-buergerschaft.de/index.php?n=petitionmitzeichnen&s=1&c=date_public&d=DESC&b=0&l=10&searchstring=&pID=7068
Welche "Auswirkungen auf andere Angebote [das] haben könnte, erklärt sich aus der Struktur des Hauses: In der Frühberatungsstelle können Eltern Informationen zum Thema Schwangerschaft und Elternschaft bekommen, hier kommen viele Eltern zum ersten Mal in Kontakt mit dem Haus, lernen die Möglichkeiten kennen, nutzen die Spielkreise oder andere Elternangebote wie zum Beispiel das Projekt Moki, die mobile und flexible Kinderbetreuung. Dort werden Kinder ohne Krippen- und Kitaplatz betreut, wenn die Eltern für einen Sprachkurs oder zur Überbrückung eine kurzfristige Betreuung brauchen. Auch während der Schließzeiten in den Ferien können Eltern im Bedarfsfall auf das Angebot zurückgreifen." (Weserkurier 12.01.2026)
Das MOBILE Familienzentrum in Bremen Hemelingen ist eines von vielen Vorzeigeprojekten im Stadtteil für offene, präventive, ressortübergreifende, altersübergreifende Stadtteilarbeit. So wie es in den ersten Paragrafen des Sozialgesetzbuch VIII bewusst vorgesehen ist, wie auch erprobt und wissenschaftlich untermauert.
Die zu beobachtende, langsame finanzielle Erdrosselung der Familienzentren (neben der offenen Jugendarbeit) durch den Bremer Senat ist pures Gift für die Gesellschaft. Denn das heißt, dass
👉die nachbarschaftlichen Unterstützungssysteme für Kinder und Familien (und ältere Menschen) im Stadtteil geschwächt werden.
👉dass ein Teil der Eltern, die die Spielkreise (Alternative zu den Krippen) in den ersten drei Jahren für das Wohl ihrer Kinder vorgezogen haben, diese Angebote nicht mehr vorfinden werden. Einsamkeit ist schlecht für Eltern und Kinder.
👉die durch zunehmende Armut in Bedrängnis geraten Familien immer weniger niedrigschwellige Auffang- und Stabilisierungsstrukturen finden.
👉dass Hilfen immer mehr an die Einrichtung einer Fallakte (z.B. beim Jugendamt) gekoppelt werden (Personal & Zeit & hohe Kosten dafür inkl.)
👉als längerfristige Folge die sehr teuren eingriffsorientierten Notmaßnahmen zunehmen, bis hin zur Herausnahme der Kinder & Unterbringung in Heimen und Pflegefamilien.
👉der "Care-industrielle Komplex", dessen Lebensader der stetige (einklagbare) "Zufluss" von fremdplatzierten Kindern in ihre Einrichtungen ist, profitiert davon und bläht sich immer mehr auf.
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Von Manfred Steglich - veröffentlicht auf seiner WEB-Seite am 21.11.2025
Die Hiobsbotschaften reißen nicht ab. Die soziale Infrastruktur Bremens gerät zunehmend unter Druck – und die Insolvenz des Trägers PME Familienservice ist nur das jüngste Symptom einer Entwicklung, die längst systemisch geworden ist. Die Abwicklung des Trägers Petri & Eichen in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit hat bereits gezeigt, wie brüchig zentrale soziale Bereiche in dieser Stadt geworden sind. Auch wenn beide Fälle unterschiedliche Felder betreffen, weisen sie auf dasselbe strukturelle Problem hin: Bremen verliert im Kernbereich seiner sozialen Daseinsvorsorge an Stabilität. Wenn innerhalb weniger Monate zwei große Träger in unterschiedlichen Segmenten der sozialen Arbeit zusammenbrechen, ist das kein Zufall, sondern Ausdruck eines tiefreichenden politischen Versagens.
Sozialkahlschlag im Kernbereich der Daseinsvorsorge
Kitas gehören zur unverzichtbaren Grundversorgung. Sie sichern frühe Bildung, ermöglichen gesellschaftliche Teilhabe und stabilisieren den Alltag vieler Familien. Wenn ausgerechnet dieser Bereich an den Rand des Zusammenbruchs gerät, zeigt das, wie weit Bremen inzwischen in den Sozialkahlschlag hineingeschlittert ist.
Dass PME wiederholt und über Monate auf eine massive Unterfinanzierung hingewiesen hat – steigende Personal- und Sachkosten, nicht gedeckte Immobilienkosten, gestrichene Zuschläge in sozial benachteiligten Quartieren – verdeutlicht, wie fahrlässig dieses System betrieben wird. Wer steigende Anforderungen an Qualität formuliert, zugleich aber die Finanzierung ausbluten lässt, erzeugt Instabilität mit Ansage.
Die Bildungsbehörde trägt mit ihrem Vorgehen zur Eskalation bei: Zahlungen mitten im laufenden Verfahren auszusetzen und den Zuwendungsbescheid zurückzunehmen, mag administrativ begründet sein, politisch aber ist es verantwortungslos. Ein Träger mit acht Einrichtungen und hunderten Kindern lässt sich nicht durch kurzfristige, technisch motivierte Entscheidungen stabilisieren. Die Leidtragenden sind nun Eltern, Beschäftigte und vor allem die Kinder.
Ein politisches Versagen, das sich durch die gesamte soziale Infrastruktur zieht
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