Leserbrief zum Beitrag von Joerg Helge Wagner „Wenn Nostalgie den Osten vernebelt“ vom 8.8.19

Joerg Helge Wagner macht seinem Ruf als konservativer Scharfmacher wieder einmal alle Ehre. Wenn es gegen Russland geht: Herr Wagner ist mit von der Partie. Diesmal sind es die dummen Ossies, denen er mal kurz die Welt erklären will. Nicht ohne darauf hinzuweisen, wie blöd man eigentlich gewesen sein muss, wenn man mit dem Beitritt zur Bundesrepublik automatisch ein sorgenfreies und risikofreies Leben erwartete. Und, liebe Ossies, Freiheit bedeutet auch Verantwortung für sich selbst. Also: jammert nicht herum, sondern packt an. Kein Wort davon, dass die Wiedervereinigung mit einer Ausplünderung des Ostens einherging, von der westliche Kapitalisten profitierten, dass die Menschen dort in vielerlei Hinsicht betrogen wurden. Seine Sorge gilt auch den Demonstranten in Moskau, die zu Hunderten inhaftiert wurden, deshalb sollte man an die Aufhebung von Sanktionen gar nicht denken. Hat Herr Wagner eigentlich schon einmal davon gehört, dass es sich dabei um eine nicht genehmigte Demonstration gehandelt hat und dass den Demonstranten vorher ein anderer Ort für die Demonstration angeboten worden war? Richtet Herr Wagner seinen Blick auch nach Frankreich, wo Demonstranten bei nicht genehmigten Demonstrationen die Augen ausgeschossen werden, viele von ihnen ihre Gliedmaßen verloren haben ? Aber natürlich: Herr Macron gehört ja zu den Guten. Aber vielleicht denkt Herr Wagner ja auch über Sanktionen gegen Frankreich nach?
Helmuth Weiss

N.B. Der Leserbrief ist vom Weserkurier mit leichten Veränderungen abgedruckt worden.

Leserbrief zum Artikel „USA drohen mit Truppenabzug“ und „Union in Sorge über transatlantisches Verhältnis“

Leserbrief zum Artikel „USA drohen mit Truppenabzug“ und „Union in Sorge über transatlantisches Verhältnis“ im Weser-Kurier vom 10.08.2019

Welch glückliche Drohung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump: Er will in Deutschland stationierte US-Truppen abziehen, wenn die Bundesregierung die Rüstungsausgaben nicht auf 2% des Bruttoinlandsprodukts aufstockt. Das wären über 50% mehr für das deutsche Militär oder über 76 Mrd. $, wobei Deutschland die Rüstungsausgaben Russlands locker um mehr als 10 Mrd. $ toppen würde. Mit diesem Geld könnte man auch eine Menge sinnvoller Dinge machen, zum Beispiel im Gesundheitsbereich und bei der Pflege.

Die US-Truppen sollten bei dieser Gelegenheit auch ihre 20 Atombomben mitnehmen, die auf dem Fliegerhorst Büchel in der Eifel eingelagert sind. Und sie sollten die Airbase Ramstein bei Kaiserslautern schließen, die die europäische Drehscheibe für Fracht- und Truppentransporte ist und Flugleitzentrale für völkerrechtliche Drohnenaktivitäten. Während die Drohnenpiloten in den USA sitzen, wird Ramstein als Relaisstation genutzt, um Steuerbefehle an die weltweit operierende Drohnenflotte zu übermitteln. Mit dem Abzug der in Deutschland stationierten 35.000 US-Soldaten könnte die Bundesrepublik auch praktisch ihre volle Souveränität gewinnen.

Und „der Russe“? Nein, von Putin droht keine Gefahr für Deutschlands Freiheit. Und wenn Kanzlerin Angela Merkel es über das Herz brächte, die von US-Präsident Obama seinerzeit eingeforderten Russland - Sanktionen über Bord zu werfen, könnten die deutsch – russischen Wirtschaftsbeziehungen aufblühen und eine europäische Friedensordnung unter Einbeziehung Russlands wäre möglich. Dann würde sich Trumps Drohung segensreich auswirken. Die deutsche Politik sollte Trump beim Wort nehmen.

Walter Ruffler

Leserbrief zum Leserbrief „Rüde Absage“ von Bernd Knust im Weser-Kurier vom 24.07.2019

Bremen, 24.07.2019
Weser Kurier – Bremen - Lesermeinung
Leserbrief zum Leserbrief „Rüde Absage“ von Bernd Knust im Weser-Kurier vom 24.07.2019
 
Bernd Knust bedauert eine vermeintliche „rüde Absage“ an die Libeskind-Türme durch die neue Regierungskoalition. Faktisch wird man im rot-grün-roten Koalitionsvertrag keinerlei „rüde Absage“ finden, sondern den Vorsatz: „Den Anteil von vorhabenbezogenen Bebauungsplänen wollen wir senken“ (S. 31, Zeile 1300), was zu begrüßen ist. Denn im Prinzip sollten sich Bauherren an den vorliegenden Bebauungsplänen orientieren, und nicht die Bebauungspläne nach den Kapitalinteressen von Investoren gestrickt werden. Genau das aber drohte beim Sparkassengrundstück Am Brill. Die im Bebauungsplan festgelegte Bruttogeschossfläche von 47.000 m² sollte eben mal um 60% auf 75.000 m² aufgestockt werden, um das ganze Projekt profitabler zumachen, auch das bereits abgeschlossene Wettbewerbsverfahren sollte nichts mehr gelten.

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Leserbrief zur Ernennung von Annegret Kramp-Karrenbauer als Verteidigungsministerin

Veröffentlicht im Weser Kurier, 22.7.2019
Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit bitte ich um Veröffentlichung des folgenden Leserbriefs zur Ernennung von Annegret Kramp-Karrenbauer als Verteidigungsministerin

Die von Annegret Kramp-Karrenbauer bekannten Äußerungen zur Bundeswehr und zur Militärpolitik vor ihrem Amtsantritt als neue "Verteidigungs"ministerin lassen Böses ahnen. Ihre Marschrichtung: Sie bekennt sich zum zwei-Prozent-Ziel der NATO und somit zum drastischen Anstieg der Rüstungsausgaben. Wenn Deutschland die NATO-Vorgabe befolgt, seine Rüstungsausgaben bis 2024 auf zwei Prozent des Bruttoinlandprodukts zu steigern, so läge der deutsche Rüstungsetat in fünf Jahren bei 85 Milliarden Euro.

Während ihre Vorgängerin Ursula von der Leyen in Zukunft als Kommissionschefin die EU zur Militärmacht machen will, will die andere die Bundeswehr mittels Großprojekten aufrüsten. Unter anderem forderte Kramp-Karrenbauer einen gemeinsamen Flugzeugträger mit Frankreich, "um der globalen Rolle der Europäischen Union als Sicherheits- und Friedensmacht Ausdruck zu verleihen".

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Leserbrief "Doppelstandarts" von Klaus-Peter Lehmann, taz v. 17.7.2019

Leserbrief "Doppelstandarts" von Klaus-Peter Lehmann, taz v. 17.7.2019. Eingereicht 17.7.2019, gekürzt und entschärft veröffentlicht am 20.7.2019

Im Beitrag von K-P. Lehmann ist ein Argument zentral, das man immer häufiger von BDS-Kritikern und Israelfreunden hört, das ich aber für infam halte: BDS sei antisemitisch, weil es allein Israel kritisiere, obwohl es viel Schlimmeres gibt. Für Lehmann z. B.  die Ausrottung der Indianer in den USA, der Krieg im Jemen und die Abholzung des Regenwaldes in Brasilien. So kann man natürlich jede Kritik delegitimieren und von ihrem Gegenstand und von der Debatte in der Sache trefflich ablenken.

Es gibt immer Schlimmeres: Wie kann man sich gegen die Rechtschreibreform engagieren, solange Küken geschreddert werden? Wie kann man sich dem Tierschutz verschreiben, solange Menschen malträtiert werden? Und man kann je nach Bedarf den Kontrahenten beliebig denunzieren: Wer sich dennoch für diese nachrangige Sache engagiert, mit dem kann etwas nicht stimmen. Vorliegend: Es müssen Antisemiten sein.  

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