Die Debatte um die Bebauung des ehemaligen Rennbahn-Geländes zeigt, wie politische Interessen, mediale Inszenierung und soziale Realität in Bremen ineinandergreifen – und wie leicht dabei demokratische Entscheidungen ausgehebelt werden. 2019 hatten sich die Bremerinnen und Bremer in einem Volksentscheid mehrheitlich gegen eine Bebauung ausgesprochen. Diese Entscheidung wird nun ignoriert, der Volkswille nicht ernst genommen: SPD und Linke – allen voran Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt – tun so, als ginge es um sozialen Wohnungsbau. Tatsächlich aber sollen auf der Rennbahn Wohnungen entstehen, die sich nur solvente Mieter und Käufer leisten können. Bezahlbarer Wohnraum für Menschen mit niedrigem Einkommen ist nicht vorgesehen, sondern allenfalls im Rahmen der gesetzlichen Sozialquote.
Parallel inszeniert der WESER-KURIER die öffentliche Wahrnehmung. Die beauftragte Umfrage des Instituts Infratest dimap fragt nach einer „teilweisen Bebauung“ – eine bewusst weich klingende Formulierung, die Zustimmung suggeriert („Ja, warum denn nicht?“). Sie verschweigt, dass der Volksentscheid von 2019 klar gegen eine Bebauung war, blendet die Frage nach sozialem Wohnungsbau aus und ignoriert die Bedeutung von Rahmenplan, Sportanlagen und Grünflächen. Die 65 Prozent Zustimmung spiegeln daher lediglich das allgemeine Bedürfnis nach Wohnraum wider – nicht die Akzeptanz einer hochpreisigen Bebauung auf einer der letzten großen Freiflächen im Bremer Osten.
Die Bürgerinitiative gegen die Bebauung weist seit Jahren auf die sozialen, ökologischen und städtebaulichen Werte des Geländes hin. Ihr Kernanliegen: die Umsetzung des bestehenden Rahmenplans, der Sportanlagen, Klimawald, Sinnesgarten und öffentliche Naherholung vorsieht. Öffentliche Flächen dürfen nicht zur Renditefläche für Investoren werden, sondern müssen langfristig sozial, ökologisch und kulturell gebunden bleiben. Die Initiative fordert zudem, dass demokratische Entscheidungen wie der Volksentscheid von 2019 respektiert werden. - Die Realität zeigt: Die aktuelle Politik verschleiert die Versäumnisse des Senats. Sozialer Wohnungsbau stagniert, Neubauprojekte entstehen vor allem im mittleren oder gehobenen Segment. Die Rennbahn wird zum Symbol einer Politik, die demokratische Legitimation und öffentliche Interessen zugunsten von Investoreninteressen und medialer Inszenierung ignoriert. - Wer in Bremen ernsthaft bezahlbaren Wohnraum schaffen will, muss andere Wege gehen: konsequenter sozialer Wohnungsbau, stärkere öffentliche Bauträgerschaft, Nutzung bereits versiegelter Flächen – und die Achtung demokratischer Beschlüsse. Alles andere ist Augenwischerei, getarnt als Lösung der Wohnungsnot, während tatsächlich Luxuswohnungen für wenige entstehen.
Ein Beitrag von Manfred Steglich










