update 30.05.2026 von Rodolfo Bohnenberger
Ca. 400 überwiegend junge Menschen und ihre Eltern demonstrierten mit einem ansehnlichen Zug, mit Bannern und Schildern am Freitag 29.05.2026 ab 16:00 Uhr vom Weserstadion zum Domshof für eine bedarfsgerechte Finanzierung und institutionelle Förderung der Kinder- und Jugendarbeit in Bremen. Auch unsere Mitstreierin Cornelia Barth hielt auf der Abschlußkundgebung eine kurze Rede. - Hintergrund ist die existenzielle Gefährdung vieler (nicht aller) wichtiger, offener Kinder- und Jugendeinrichtungen in fast allen Stadtteilen Bremens, ausgelöst durch die Haushaltsbeschlüsse der Bremer Landesregierung aus SPD, Grünen und DieLinke.
Von drohender Schließung ihrer Einrichtung Betroffene starteten am 10. Mai die hier verlinkte Petition zum Erhalt der Kinder- und Jugendarbeit mit aktuell schon 3.429 Mitzeichnern! Mitgezeichnet werden kann bis zum 9. November 2026, schließt euch an!
Der Bremer Regionalsender "buten und binnen" brachte immerhin(!) einen klitzekleinen Filmbericht dazu. Der Initiator (Jens Wirth) des Protestzuges kommt dort mit folgenden Sätzen zu Wort: "Viele Träger stehen vor dem aus, bzw. haben Existenzschwierigkeiten. Oder sie müssen Programme runterfahren und werden künfrig nicht mehr institutionell sondern projektgefördert."
Kam in den buten und binnen Nachrichten um 18:00 Uhr noch eine Jugendliche zu Wort, die ihre große Sorge äußerte, künftig ihr geliebtes Angebot (wahrscheinlich die Kinder- und Jugendfarm Habenhausen) gar nicht mehr vorzufinden, wurden diese 5 Sekunden in der Sendung 19:30 Uhr von der buten un binnen Redaktion raus geschnitten. Ist so eine authentisch geäußerte Sorge schon zu gefährlich? Und das vom Öffentlich Rechtlichen Rundfunk, von unseren Beiträgen finanziert? Der Zeitungsmonopolist Weserkurier, der sonst gern über gefährdete OKJA-Projekte berichtet, ignorierte die vorher breit beworbene Demonstration völlig; ein Methode, die dieses von zwei völlig zerstrittenen Privat-Unternehmern betriebene Lokalblatt schon länger praktiziert.
Im buten un binnen Bericht heißt es weiter: "Die Bremer Sozialbehörde betonte, dass es nicht zu großflächigen Schließungen kommen werde. Über das Konzept stimmt im Juni der Jugendhilfeausschuss ab." Das genannte "Konzept" wird von der Sozialbehörde und deren Sozialsenatorin Schilling (SPD) vermarktet als ein Reformprojekt, welches die Qualitätsstandards anhebe und die Gelder dorthin verschiebe, wo in den betreffenden Stadtteilen die Bedarfe größer seien, definiert durch die statistisch ermittelten "Sozialindikatoren" in Stadtteilen mit vielen Jugendlichen. Das wäre gerechter. Soweit die offizielle Darstellung.
Dass nach solchen - durchaus nachvollziehbaren Schwerpunktsetzungen - nun aber Existenzgefährdungen von Kinder- und Jugendeinrichtungen an anderen Orten zur Folge haben, ist fachlich durch nichts zu rechtfertigen. Es erklärt sich dadurch, dass (und das erleben wir seit der Privatisierung der Freizis im 2007) das Gesamtbudget für die Offene Kinder- und Jugendarbeit im Bremer Haushalt einfach zu klein bemessen ist und nun das Prinzip "spalte und herrsche" angewendet wird. Denn: Qualitätsstandards werden seit langem ÜBERALL von den dort Tätigen eingefordert, diese Standrads haben aber wegen der Unterfinanzierung gelitten, nicht wegen der Unfähigkeit der Träger oder der dort tätigen Sozialarbeiter_innen, bzw. der notwendigerweise vielen Ehrenamtlichen dort.
Einen vertiefenden Blick auf die systemischen Fehlentwicklungen in der Kinder- und Jugendhilfe bietet die Folienpräsentation: "Soziale Spaltung der Stadt und Fehlentwicklungen in der Kinder- und Jugendhilfe in Bremen" (Rodolfo Bohnenberger, Dipl. Soz.-Päd.) Hier zum Download.
update 1.6.2026: (Widerspruch zum Interview vom 27.05.2026 im Weser Kurier von Sozialsenatorin Claudia Schilling. Die Realität in Bremens Kinder- und Jugendarbeit sieht anders aus. Die Initiative „Für eine bedarfsgerechte und institutionelle Finanzierung der Kinder- und Jugendarbeit in Bremen“ widerspricht wesentlichen Aussagen von Sozialsenatorin Claudia Schilling im jüngsten Interview des Weser-Kurier. Pressemitteilung der Initiative für eine bedarfsgerechte und institutionelle Finanzierung der Kinder- und Jugendarbeit in Bremen / c/o Jens Wirth









