AfSD-Umbau bis Ende 2028: Planungsgrundlagen, Kosten und Nutzen noch immer unklar

Sozialsenatorin Schilling kann auf BSW-Anfrage weder Gesamtkosten noch konkrete Verbesserungen nennen

IseriSchulzeBremen, 05. November 2026. Der geplante Umbau des Bremer Amtes für Soziale Dienste (AfSD) soll bis Ende 2028 abgeschlossen sein. Wie viel die Neuorganisation kosten wird und welche messbaren Verbesserungen sie für die Bürger bringen soll, bleibt jedoch offen. Das geht aus einer schriftlichen Antwort des Sozialressorts auf elf Fragen des BSW Bremen hervor. Die Landesvorsitzenden Christopher Schulze und Alper Iseri kritisieren die Planung von Sozialsenatorin Claudia Schilling (SPD).

BSW-Landesvorsitzender Christopher Schulze: „Der Senat plant seit über einem Jahr den Umbau seiner Sozialverwaltung und weiß noch immer nicht, was das Ganze kosten wird. Gleichzeitig kann er nicht sagen, ob die Bürger anschließend schneller Termine bekommen oder ihre Anträge zügiger bearbeitet werden. Sozialsenatorin Schilling verliert sich in der Neuorganisation ihrer Behörde, ohne konkrete Verbesserungen für die Menschen festzulegen."Nach den Plänen des Sozialressorts sollen die bisherigen sechs organisatorischen Sozialzentren zu vier zusammengefasst und zwei zusätzliche Fachdienste eingerichtet werden. Die Umsetzung erfolgt in zwei Projekten mit sieben fachlichen Teilprojekten. Projekt-, Zeit- und Meilensteinplanungen sind laut Ressort bereits intern abgestimmt. Zahlreiche Entscheidungen über die konkrete Organisation und die künftigen Standorte stehen jedoch noch aus.

Auch die finanziellen Folgen sind bislang nicht ausreichend geklärt. Organisations- und Standortentscheidungen stehen noch aus – und damit wesentliche Grundlagen für Kosten, Personalbedarf und Ablauf. Trotzdem nennt der Senat Ende 2028 als Abschluss; Mittel für externe Begleitung sind bereits beschlossen. Einen vorläufigen Gesamtkostenrahmen legt das Ressort nicht vor. „Eine Projektstruktur ersetzt keinen belastbaren Umsetzungsplan. Solange grundlegende Entscheidungen offen sind, muss die Senatorin erklären, worauf ihr Endtermin beruht und wie sie unkalkulierbare Kosten und Verzögerungen verhindern will“, kritisiert Schulze.Besonders kritisch sieht das BSW, dass der Erfolg der Reform nicht anhand konkreter Verbesserungen für die Bürger gemessen werden soll. Das Ressort erklärt ausdrücklich, dass Ausgangs- und Zielwerte für die Erreichbarkeit, Wartezeiten und Bearbeitungsdauer nicht Bestandteil der aktuellen Organisationsentwicklung sind.

„Für die Menschen zählt doch, ob sie beim Amt jemanden telefonisch erreichen, ob sie sofort einen Termin bekommen und ihre Anträge innerhalb einer Woche bearbeitet werden. Genau daran sollte der Erfolg einer solchen Reform gemessen werden“, erklärt BSW-Landesvorsitzender Alper Iseri. „Wer die Verwaltung umbaut, sollte vorher die Kennzahlen festlegen, die sich verbessern müssen.“

Unklar bleibt außerdem, welche Sozialzentren künftig für welche Stadtteile und Leistungen zuständig sein werden.

Fragen des BSW zu längeren Anfahrtswegen, Barrierefreiheit und der Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln beantwortete das Ressort nicht konkret. Auch mögliche Personalverschiebungen und zusätzliche Personalbedarfe seien noch nicht abschließend geklärt, so die Behörde.

Hinzu kommt, dass eine eigenständige Beteiligung von Beiräten und Ratsuchenden nach Angaben des Sozialressorts derzeit nicht im Mittelpunkt der Planung steht. Die Beschäftigten und ihre Interessenvertretungen würden hingegen beteiligt, antwortet die Senatorin. - Iseri weiter: „Wenn Menschen nach dem Umbau weitere Wege haben, ist nichts gewonnen. Das trifft besonders Ältere, Menschen mit Behinderungen und Familien mit Kindern. Ihre Erfahrungen müssen bei der Planung berücksichtigt werden“

Das BSW fordert von Sozialsenatorin Schilling einen nachvollziehbaren Kostenplan, konkrete Verbesserungsziele bei Erreichbarkeit, Terminvereinbarung und Bearbeitungszeiten und die Beteiligung der Bürger. Außerdem müsse vor organisatorischen Veränderungen sichergestellt werden, dass laufende Hilfen, Aktenübergaben und die Bearbeitung von Anträgen zuverlässig funktionieren, so die Partei.

5.11.2026, Alper Iseri und Christopher Schulze, Landesvorsitzende BSW Bremen
Bündnis Soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftliche Vernunft