Unterrichtsausfall: BSW fordert Ursachenanalyse und wirksame Gegenmaßnahmen

Schulze und Iseri verlangen aktuelle Daten, Gesundheitsvorsorge und verlässlichen Fachunterricht

IseriSchulze Kndg.13.03.2025BremenBremen, 29. Oktober 2026. Die öffentliche Monatsstatistik des Bildungsressorts zum Unterrichtsausfall endet weiterhin bei Juli. August und September fehlen. Das BSW Bremen fordert Bildungssenator Mark Rackles auf, die Verzögerung zu erklären und offenzulegen, mit welchen aktuellen Daten sein Ressort Ausfälle untersucht und Gegenmaßnahmen steuert.

„Bremens Schulen fehlt es an Lehrern und die vorhandenen arbeiten bereits am Limit. Wenn Kollegen krank werden, muss das übrige Personal einspringen. Das kann auf Dauer nicht funktionieren. Der Senat lässt die Lehrkräfte mit der Überlastung allein und die Kinder bezahlen dafür mit verlorener Unterrichtszeit. Das ist ein schweres Versäumnis der Bremer Bildungspolitik“, erklärt BSW-Landesvorsitzender Christopher Schulze.

Unterrichtsausfall weiterhin auf hohem Niveau

An den öffentlichen allgemeinbildenden Schulen der Stadt Bremen stieg die ausgewiesene Ausfallquote von 2,8 Prozent 2018/19 über 3,4 Prozent 2021/22 auf zuletzt 4,0 Prozent 2025/26 – gegenüber dem Stand vor Corona ein relativer Anstieg um rund 43 Prozent. Die Tabellen erklären dessen Ursachen nicht ausreichend. An Oberschulen blieb die Quote zuletzt mit 5,1 Prozent, an Gymnasien mit 5,4 Prozent unverändert gegenüber dem Vorjahr. Damit fällt dort weiterhin ungefähr jede zwanzigste vorgesehene Unterrichtsstunde aus.

Nicht nur der Jahresbericht 2025/26, sondern auch die Bilanz 2024/25 ist wegen ausstehender Datenlieferungen einzelner Schulen weiterhin vorläufig. Wie viele Schulen und welche Datenanteile fehlen, geht aus den Veröffentlichungen nicht hervor. Das BSW verlangt Auskunft, wann vollständige Jahresbilanzen vorliegen und wie belastbar die bisherigen Vergleiche sind. Bremerhaven ist in diesen Statistiken nicht enthalten.

Auch die Monatswerte zeigen keine stetige Entspannung: Von Januar bis Juni 2026 schwankte der ersatzlose Ausfall an allen erfassten Schulen zwischen 3,6 und 4,3 Prozent. Im Juni erreichten Oberschulen 5,8 und Gymnasien 6,2 Prozent. Vertretung, Mitbetreuung und Selbststudium werden zusätzlich gesondert ausgewiesen; sie zählen nicht zur Ausfallquote.

Ursachen statt Durchschnittswerte

„Zwei Klassen gleichzeitig zu betreuen oder längerfristig Arbeitsblätter zu verteilen, ersetzt keinen verlässlichen Fachunterricht“, sagt Landesvorsitzender Alper Iseri. „Wir brauchen eine differenzierte Analyse: Wo fehlt Personal, welche Belastungen machen krank und welche Unterstützung wirkt?“

Bereits 2024 erklärte der Senat, fachgerechte und fachfremde Vertretung nicht getrennt zu erfassen. Auch Langzeiterkrankungen und unbesetzte Stellen werden in der veröffentlichten Unterrichtsausfallstatistik nicht gesondert ausgewiesen. Das BSW fragt nach inzwischen erfolgten Verbesserungen, Gesundheitsprogrammen und der Vorbereitung angehender Lehrkräfte auf den Berufsalltag. Dazu gehört, wie pädagogische und persönliche Eignung neben Fachkenntnissen festgestellt und weiterentwickelt werden. Strukturelle Überlastung darf nicht als individuelles Versagen behandelt werden.

Von anderen Ländern lernen

Andere Länder veröffentlichen für 2024/25 abweichende Werte: Berlin 3,0 Prozent, Mecklenburg-Vorpommern 2,9 Prozent, Bremen 4,0 Prozent und NRW 4,8 Prozent an den jeweils erfassten allgemeinbildenden Schulen. Unterschiedliche Verfahren verhindern eine belastbare Rangfolge, begründen aber einen genaueren Vergleich wirksamer Maßnahmen.

Das BSW fordert eine datenschutzgerechte Ursachenanalyse, Gesundheitsvorsorge, ausreichende Vertretungsreserven und überprüfbare Verbesserungsziele. Bremen soll sich in der Bildungsministerkonferenz für gemeinsame Standards, zeitnahe öffentliche Monatsauswertungen und den Austausch wirksamer Ansätze einsetzen. Entscheidend sind mehr qualifizierter Fachunterricht und entlastete Kollegien.

Alper Iseri und Christopher Schulze, Landesvorsitzende BSW Bremen (29.10.2026)

Bündnis Soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftliche Vernunft