Leserbrief zum WK-Artikel von Markus Peters: „In Bremen fehlen 14.000 Wohnungen" vom 27.08.2026

ManfredSteglichAbgefedert – für wen?

Staatsrat Baumheier aus dem Bauressort nennt es ermutigend, dass Bremen den bundesweiten Einbruch beim Wohnungsbau „fast vollständig abgefedert“ habe. Die Entwicklung des sozialen Wohnungsbestands in Bremen erzählt allerdings eine andere Geschichte.

Anfang der 1990er-Jahre gab es in Bremen noch rund 80.000 Sozialwohnungen, ein Viertel des gesamten Wohnungsbestands, orientiert an der Armutsrisikoquote im Bundesland. Genau diesen Maßstab übernahm später auch die vom Senat beschlossene Neubauquote. Heute gibt es nur noch gut 6.300 Sozialwohnungen. Und der Rechnungshof rechnet bis 2030 mit einem weiteren Rückgang auf rund 5.600. Der Senat hat die Sozialwohnungsquote für Neubauten 2020 von 25 auf 30 Prozent erhöht und die Schwelle auf 20 Wohneinheiten gesenkt. Der Bestand an Sozialwohnungen schrumpft trotzdem weiter.

14.000 fehlende Wohnungen sind eine Momentaufnahme. Entscheidend ist, wie viele davon für Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen bezahlbar sind. Die eigentliche Frage ist die Kluft zwischen dem, was einmal als Maßstab für ausreichenden Sozialwohnungsbestand galt, und dem, was heute noch vorhanden ist. Gerade in Bremen ist bezahlbarer Wohnraum ein besonders drängendes Problem: Bei der Wohnarmutsquote liegt das Land mit 33,4 Prozent an der Spitze, zugleich hat Bremen mit weitem Abstand die höchste Armutsquote aller Bundesländer.

Wer also von „Abfederung“ spricht, sollte sagen, wessen Bedarf damit gedeckt wird und wessen nicht.

Manfred Steglich (Bremen, 28.08.2026)