Leserbrief zum Leserbrief „Rüde Absage“ von Bernd Knust im Weser-Kurier vom 24.07.2019

Bremen, 24.07.2019
Weser Kurier – Bremen - Lesermeinung
Leserbrief zum Leserbrief „Rüde Absage“ von Bernd Knust im Weser-Kurier vom 24.07.2019
 
Bernd Knust bedauert eine vermeintliche „rüde Absage“ an die Libeskind-Türme durch die neue Regierungskoalition. Faktisch wird man im rot-grün-roten Koalitionsvertrag keinerlei „rüde Absage“ finden, sondern den Vorsatz: „Den Anteil von vorhabenbezogenen Bebauungsplänen wollen wir senken“ (S. 31, Zeile 1300), was zu begrüßen ist. Denn im Prinzip sollten sich Bauherren an den vorliegenden Bebauungsplänen orientieren, und nicht die Bebauungspläne nach den Kapitalinteressen von Investoren gestrickt werden. Genau das aber drohte beim Sparkassengrundstück Am Brill. Die im Bebauungsplan festgelegte Bruttogeschossfläche von 47.000 m² sollte eben mal um 60% auf 75.000 m² aufgestockt werden, um das ganze Projekt profitabler zumachen, auch das bereits abgeschlossene Wettbewerbsverfahren sollte nichts mehr gelten.
 
Die neue Koalition will nun, dass ein „Gestaltungsgremium“ alle „städtebaulichen Aspekte“ überprüft: „Ziel ist es, gemeinsam die besten Ideen für die bestmögliche Entwicklung dieser zentralen Lage in der Innenstadt zu finden und umzusetzen“ (S. 34, Zeile 1423) - hört sich das nach „rüder Absage“ an?
 
Tragen Hochhäuser per se zur Belebung der Innenstadt bei? Können die Banken-Türme der Frankfurter City wirklich ein Vorbild für Bremen sein? Machen das Siemens-, Tivoli- und Bundeswehrhochhaus und der Kühne & Nagel- Neubau an der Weser wirklich Appetit auf mehr? Unter dem SPD-Bausenator Stefan Seifritz wurde in Tenever ein „Klein-Manhattan“ errichtet, ein bau- und sozialpolitisches Desaster, wie der ehemalige Stadtplaner Wendelin Seebacher in seinem Buch „...das tun wir nicht wieder. Bremen Osterholz – Tenever. Geschichte eines Demonstrativbauvorhabens“ detailreich nachweist. Das „Demonstrativbauvorhaben“ wurde ein finanzielles Debakel für die Stadtgemeinde Bremen, die viel Geld für den Abriss einiger Wohntürme und die Sanierung des Restbestandes ausgeben musste. Sollte man nicht auch mal aus früheren Fehlern der Stadtplanung lernen?
 
Über eine Veröffentlichung würde ich mich freuen.

Mit freundlichem Gruß

Walter Ruffler

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