Neuer Rückenwind: Verein »Deutsch-Russische Friedenstage« in Bremen gegründet

willi lemkeVon Sönke Hundt
Zeit für eine neue Ostpolitik: Wilfried Lemke unterstützt den Verein »Deutsch-Russische Friedenstage Bremen«

An der Weser hat sich vor wenigen Tagen ein Verein für Frieden und Verständigung mit Russland gegründet. Am 29. Oktober haben die Gründerinnen und Gründer den eingetragenen Verein »Deutsch-Russische Friedenstage Bremen« bei einer Pressekonferenz vorgestellt. Mit dabei ist Willi Lemke, langjähriger Manager des SV Werder Bremen, als Senator in zwei Landesregierungen tätig und von 2008 bis 2016 als »Sonderberater des UN-Generalsekretärs für Sport im Dienste von Frieden und Entwicklung« im Einsatz. Der Sozialdemokrat hat die Schirmherrschaft über die im November geplante Veranstaltungsreihe übernommen. Lemke sagte, er erinnere sich noch gut an die von Bundeskanzler Willy Brandt gestaltete Ostpolitik, die in Europa zur politischen Entspannung und Abrüstung geführt habe. Zur Politik der Berliner Regierung gegenüber Russland wollte er sich bei der Pressekonferenz nicht äußern. Er sei als Privatmann hier und wolle nicht irgendwo »reingrätschen und Noten über den Außenminister verteilen«. Es habe ihn allerdings zutiefst erschrocken, als er habe lesen müssen, dass die Bundeswehr wieder dabei sei, den Abwurf von Atomwaffen zu üben.

Der Verein hat sich große Ziele gesetzt. Es geht ihm um ein friedliches und respektvolles Miteinander zwischen Deutschland und Russland. Vor allem jenseits der großen Politik solle das gegenseitige Verstehen mit vielfältigen kulturellen und politisch-informativen Veranstaltungen gefördert werden. Der Politik der Wirtschaftssanktionen, der einseitigen Schuldzuweisungen, dem Schüren von Hass und Ressentiments gegen Russland und einer die Realität verfälschenden Darstellung in den Medien sollen Aktivitäten von unten entgegengesetzt werden.

Der Verein startet seine »Friedenstage« mit einem umfangreichen kulturellen, künstlerischen und politischen Programm. Besonders erwähnenswert im November: ein Vortrag über den Maler Wassily Kandinski (12.11.), die Aufführung des Films »The Magnitzki-Act: Behind the Scenes« in Anwesenheit des Regisseurs (23.11.) und der Vortrag von Andreas Zumach über »Kooperation statt Konfrontation mit Russland« (25.11.). Es folgen Konzerte, Film- und Theateraufführungen, weitere Vorträge und das große Fest der deutsch-russischen Begegnung im Mai 2020. Der Verein hat sich auch zum Ziel gesetzt, die große Community der Russlanddeutschen für die deutsch-russische Verständigung mit Filmen und Theateraufführungen zu interessieren. Die Kontakte seien vielversprechend und würden vielfach mit Dankbarkeit zur Kenntnis genommen. »Die Leute sind wirklich sehr froh darüber«, so Gründungsmitglied Horst Otto, »dass es hier endlich eine solche Initiative gibt, die Türen öffnet und Brücken baut, um miteinander ins Gespräch zu kommen.«

In der Bundesrepublik finden sich tatsächlich Kräfte zusammen, die für ein friedliches Verhältnis zu Russland werben, auch wenn darüber in den Massenmedien kaum berichtet wird. Wenn, dann werden diese Personen und Plattformen häufig als »prorussisch« verunglimpft. Dennoch ist im Moment ein gewisser Rückenwind aus der Gesellschaft spürbar. Eine große Konferenz am 24. Oktober in Berlin über das »deutsch-russische Verhältnis im europäischen Kontext« war prominent mit Politikern, Politologen, Journalisten und Vertretern verschiedener Vereine besetzt. Diskutiert wurde über Städtepartnerschaften, Wirtschaftssanktionen und die Krim-Krise. Es existieren zur Zeit 98 Partnerschaften zwischen deutschen und russischen Städten. Bremen allerdings ist noch mit keiner russischen Stadt partnerschaftlich verbunden. Aber das kann ja noch werden.

Quelle (mit freundlicher Genehmigung): junge Welt v. 01.11.2019 

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