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Künstliche Intelligenz als Wunderland

Veranstaltung

Titel:
Künstliche Intelligenz als Wunderland
Wann:
Fr, 22. November 2019, 18:00 h
Wo:
Überseemuseum - Bremen
Kategorie:
Tagungen

Beschreibung

Vom 22. bis 24. November 2019 findet in Bremen die FIfF-Konferenz 2019
unter dem Motto Künstliche Intelligenz als Wunderland statt. Veranstalter: 
Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung e. V..
Am Freitagabend im Überseemuseum - Samstag und Sonntag in der Universität Bremen

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei.
Mehr Informationen dazu sind angehängt und können ausführlich und jederzeit aktualisiert auf der Webseite der Konferenz unter https://2019.fiffkon.de gefunden werden.

Freitag 18:00 Begrüßung Überseemuseum (Forum Informatiker*innen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung)

Freitag 18:15 Geschlossene Gesellschaft – Von der Verantwortung der Informatik

Alexander von Gernler (Vizepräsident der Gesellschaft für Informatik)

Informatikerinnen und Informatiker befinden sich heute in der glücklichen Situation, sich die gut bezahlten Jobs aussuchen zu können. Trends wie die zunehmende Digitalisierung, der Hype um Künstliche Intelligenz (KI) sowie die Alterspyramide der deutschen Gesellschaft werden dafür sorgen, dass dies auch noch lange so bleibt.
Trotzdem sollten sie aus guten Gründen nicht übermütig werden. Ihre Pflicht und Verantwortung gegenüber der Gesellschaft bleibt es vielmehr, ihren Mitmenschen die neuen Technologien zu erklären, die einen massiven Wandel ausgelöst haben.
Dabei ist es nicht so, dass die Informatikerinnen und Informatiker bisher eine gute Figur abgegeben haben: Viele ungelöste Probleme wie die Sicherheit von Hardware, Software und Plattformen warten immer noch auf ihre Lösung. Und als wäre das alles nicht schon anspruchsvoll genug, kommt jetzt auch noch die KI um die Ecke.

Freitag 19:00 Silicon Valley zieht in den Krieg: KI, autonome Waffen und politisch-moralische Verkümmerung

Elke Schwarz (Queen Mary University London)

Die Autonomie in militärischen Waffensystemen hat in den letzten zehn Jahren stetige Fortschritte gemacht. Eine Reihe von Ländern einschließlich der USA, Großbritanniens, Chinas und Russlands, entwickeln, besitzen und / oder nutzen militärische Systeme, von denen zu diesem Zeitpunkt angenommen werden kann, dass sie über ein bestimmtes Maß an Autonomie und Künstlicher Intelligenz verfügen. Die Idee, die technologische Autonomie in der Kriegsführung auszubauen, ist keineswegs neu. Günther Anders, ein früher Denker der Mensch-Maschine-Interaktion, schreibt 1956 über den Einsatz eines „elektronischen Gehirns“ - einer technologischen Rechenmaschine, die im Kontext des Koreakrieges eine moralisch schwierige Entscheidung mit scheinbarer Objektivität treffen könnte. Anders stand einer solchen Maschinenagentur äußerst kritisch gegenüber und warnte, dass die Übertragung von moralisch bedeutsamen Entscheidungen auf die Militärtechnologie eine klare Abkehr von der moralischen Verantwortung des Menschen darstellt, wobei das Unbehagen bei schwierigen Entscheidungen in der Kriegsführung durch technologische Effizienz und angebliche Neutralität beseitigt wird. Anders Diagnose, die im selben Jahr veröffentlicht wurde als der Begriff „Artificial Intelligence“ (KI) geprägte wurde, erwies sich als prophetisch. Obwohl seine Erkenntnisse in erster Linie auf die rasanten Befürchtungen und Aufregungen über Innovationen in der Computertechnologie - zivil und militärisch - in seiner Zeit zurückzuführen sind, finden sie deutliche Resonanz in der heutigen Diskussion über neue militärische Technologien und insbesondere in den Debatten um autonome und intelligent Waffensysteme. Dieser Vortrag setzt sich mit den Auswirkungen von KI als Ersatz für menschliche Entscheidungen in moralisch relevanten Kontexten politischer und militärischer Natur auseinander und nimmt die politische und ethische Handlungsfähigkeit im Bezug auf zunehmend allgegenwärtiger KI kritisch unter die Lupe.

Freitag 19:45 kurze Pause

Freitag 20:00 C COPY A, VERSCHLÜSSELT Klick-Performance des Theaters der Versammlung

Als work-in-progress zeigt das Theater der Versammlung zum dritten Mal auf einer FIfF-Konferenz die Weiterentwicklung einer Performance, bei der das Publikum das Ensemble mit Computerbefehlen live in Bewegung setzen kann.
Dabei greifen die Darsteller*innen auf Bewegungsabläufe und Textbausteine von Rollen zurück, die sie ansonsten in unterschiedlichen Stücken verkörpern. In mehreren Spielrunden können aus diesen Fragmenten jetzt gemeinsam und in hohem Tempo neue Beziehungs- und Bedeutungsmuster komponiert werden. Das Ziel besteht darin, dem entstehenden Chaos immer wieder neue Sinninseln abzugewinnen. Das komponierende Publikum lernt mit den Befehlen umzugehen und spiegelt sich dabei durch seine Anweisungen wieder.
Es geht um die Mensch-Maschine-Schnittstelle, um Systemsteuerung und Komplexität. Wie verändern sich Wahrnehmen, Denken, Verständigen und Entscheiden in unserer immer schneller werdenden Zeit? Wie können wir sinnvoll auf die sich häufenden abgebrochenen Anfänge in unserem Alltag reagieren? Wie können wir in komplexen Situationen handlungsfähig bleiben? Was bedeutet es für die Zukunft der Demokratie, wenn nach Friedbert W. Rüb Politik gegenwärtig „von zielorientierter Rationalität auf zeitorientierte Reaktivität umstellt“?

Alle haben Einfluss, niemand steuert das Ganze

Aktionen: Carolin Bebek, Max Konek, Simon Makhali, Annika Port, Clara Schließler, Tom Schröpfer

Dramaturgie: Anna Seitz Inszenierung und Moderation: Jörg Holkenbrink

Theater der Versammlung

In der berühmten Erzählung Alice im Wunderland von Lewis Carroll
begegnet die Protagonistin im Wunderland den merkwürdigsten Gestalten
und erlebt kuriose Abenteuer. Ein neues Wunderland eröffnet sich heute
durch Künstliche Intelligenz. Es ist von Robotern bevölkert, die Fußball
spielen, tanzen, jonglieren, kochen, Dienstleistungen aller Art
erbringen, Alte und Kranke pflegen und Orte erkunden, die für Menschen
gefährlich oder unerreichbar sind. Es gibt dort selbstfahrende Autos und
unbemannte Flugobjekte. Lernende neuronale Netze beeindrucken, weil sie
fast alle Spiele gegen fast alle Spielerinnen und Spieler gewinnen. Man
trifft allenthalben auf Systeme, die sehen, lesen, sprechen und lernen
können. Und es wird gemunkelt, dass sich demnächst eine neue Spezies mit
Superintelligenz dazu gesellen wird, die besser denken kann als alle
Menschen zusammen.

1956 traf sich eine kleine Gruppe junger Wissenschaftler – später alle
berühmte Vertreter ihres Faches – für einige Wochen im Dartmouth-College
und begründete dort gemeinsam das Gebiet der Künstlichen Intelligenz
(KI). Ihr erklärtes Ziel war, Computersysteme zu entwickeln, die
Leistungen erbringen können, für die Menschen ihre Intelligenz einsetzen
wie logisches Schließen, Planen, Lernen, Textverstehen, … In einem Auf
und Ab zwischen massiv zunehmender und stark abnehmender staatlicher
Förderung – teils auch ganz erheblich im militärischen Kontext –
kristallisierte sich allmählich die KI als ein wichtiges Teilgebiet der
Informatik heraus. Die anfänglichen Ziele gelten auch heute noch; die
wesentlichen Methoden wie neuronale Netzwerke sind meist auch schon seit
Jahrzehnten bekannt. In jüngster Zeit aber verzeichnet die KI durch die
erreichte Rechengeschwindigkeit und Speicherkapazität äußerst
bemerkenswerte technologische Erfolge bei Spielen wie Schach, Go, Poker
und Starcraft und bei praktischen Anwendungen wie Sprach- und
Bildverarbeitung.

Aber mit dem erreichten Stand der KI sind auch übertriebene Erwartungen,
übersteigerte Hoffnungen und höchst problematische
Anwendungsmöglichkeiten verbunden. KI wird von Politik und Wirtschaft
weltweit als Schlüsseltechnologie gesehen, von der die zukünftige
Wertschöpfung abhängt und die einen signifikanten Teil der heutigen
Arbeitsplätze obsolet werden lassen könnte. Die sich abzeichnenden
Anwendungen im militärischen Kontext führen zu einer gigantischen
Rüstungsspirale, was die Gefahr von Kriegen wohl kaum verringern wird.
KI-basierte Überwachungsmethoden lassen tiefe Eingriffe in die
Privatsphäre und andere Grundrechte befürchten bis hin zu einer sozialen
Totalüberwachung, wie sie in China auf der Tagesordnung steht. Auf der
Weltbühne ist ein geostrategisches Wettrennen entbrannt, wer bei KI die
Nase vorn hat.

Politik und Wirtschaft scheinen Wunderdinge von der Künstlichen
Intelligenz zu erwarten. Eine Reihe von Fachleuten bestärkt die
hochgeschraubten Erwartungen und Hoffnungen durch vollmundige
Ankündigungen. 2019 ist als Wissenschaftsjahr der KI ausgerufen. Die
Bundesregierung hat eine KI-Strategie auf den Weg gebracht, durch die
Deutschland führend auf dem Gebiet der KI werde soll – finanziell
unterfüttert mit bescheidenen drei Milliarden Euro. Ihr geht es um den
Ausbau der „Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft“ und um einen
„spürbaren gesellschaftlichen Fortschritt“. Der Bundestag hat sich vor
einem Jahr eine Enquete-Kommission KI mit dem Zusatz „Gesellschaftliche
Verantwortung und wirtschaftliche, soziale und ökologische Potenziale“
gegeben, um damit „eine der zentralen Debatten unserer Zeit“
aufzugreifen. Man kann nur wünschen, dass die Abgeordneten vernünftige
Einsichten gewinnen.

Es ist also dringend geboten, das Mögliche und Wünschenswerte vom
Märchenhaften, Phantastischen und Schreckeneinflößenden zu trennen. Die
FIfF-Konferenz 2019 bietet dafür eine Plattform. Die
Auftaktveranstaltung am Freitag findet mit zwei Vorträgen und einer
halbstündigen Aufführung des Theaters der Versammlung im Überseemuseum
direkt neben dem Hauptbahnhof statt. Sie beginnt um 18.00 Uhr und endet
mit einem kleinen Empfang. Am Samstag und Sonntag geht die Konferenz in
der Universität Bremen weiter. Am Samstag stehen ab 9.30 Uhr sechs
Vorträge, einige parallele zweistündige Arbeitsgruppen, die Verleihung
des Weizenbaum-Studienpreises und der FIfF-Bericht auf dem Programm. Der
Tag klingt mit einem netten Beisammensein aus. Der Sonntag beginnt ab 10
Uhr mit zwei weiteren Vorträgen, die aus aktuellem Anlass Umwelt, Klima
und Nachhaltigkeit in die Diskussion einbeziehen sollen. Er endet mit
der FIfF-Mitgliederversammlung, zu der auch Nichtmitglieder herzlich
willkommen sind.

Wir können uns auf folgende Vorträge am Samstag und Sonntag in der UNI freuen:
• Marie-Luise Abshagen und Nelly Grotefendt (Forum Umwelt und Energiepolitik): Nachhaltige Digitalisierung - Wunschdenken oder Realität? • Capulcu: Künstliche Intelligenz – Bereicherung oder digitalisierte Bevormundung? • Alexander von Gernler (Vizepräsident der GI): Geschlossene Gesellschaft – Von der Verantwortung der Informatik • Marit Hansen (Datenschutzbeauftragte von Schleswig-Holstein): Die Empfehlungen der Datenethikkommission: Bedeutung für die Informatik • Matthias Monroy (Wissensarbeiter, Aktivist und Mitglied der Redaktion der Zeitschrift Bürgerrechte & Polizei/CILIP): Die Militarisierung der Festung Europa und wie europäische Rüstungskonzerne daran verdienen • Rainer Rehak (Weizenbaum-Institut und FIfF-Vorstand): Folgenreiche Verführung – Begriffskritik autonomer und intelligenter Systeme • Elke Schwarz (Queen Mary University London): Silicon Valley zieht in den Krieg: KI, autonome Waffen und politisch-moralische Verkümmerung • Bernhard Stoevesandt (Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme und Scientists4Future): Wird KI die Welt retten? • Veronika Thiel (AlgorithmWatch): Viel Lärm um Wenig: Ethische Richtlinien in der Algorithmenentwicklung • Dominik Wetzel (freier Journalist) und Christoph Marischka (Informationsstelle Militarisierung): Die Produktionsbedingungen künstlicher Intelligenz Wir möchten alle Interessierte zur FIfF-Konferenz 2019 vom 22. bis 24. November 2019 nach Bremen einladen, um mit uns das Wunderland der KI zu erkunden und genauer unter die Lupe zu nehmen. Was ist dran an den hochfliegenden Plänen und Versprechungen? Welche Erwartungen und Hoffnungen sind realistisch, welche sind übertrieben, welche sind unerfüllbar? Welche gesellschaftlichen Auswirkungen sind zu erwarten und wie soll man mit ihnen umgehen? Welche Risiken und Gefahren sind mit den aktuellen und zukünftigen Entwicklungen der Künstlichen Intelligenz verbunden und wie ist ihnen zu begegnen? Die FIfF-Konferenz ist öffentlich. Alle Veranstaltungsräume sind mit dem Rollstuhl über einen Fahrstuhl erreichbar. Der Eintritt ist frei. Für Verpflegung wird am Wochenende gegen einen Unkostenbeitrag gesorgt. Um besser planen zu können, bitten wir um unverbindliche Anmeldung unter 2019.fiffkon.de. Wir wollen auch Kinderbetreuung anbieten. Dazu ist eine verbindliche Anmeldung bis zum 31. Oktober per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erforderlich. Über Euer Interesse und Eure Teilnahme würden wir uns freuen. Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung e. V., Goetheplatz 4, 28203 Bremen, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!; Kontakt/Anmeldung: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Pressekontakt Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Twitter @fiffkon, https://2019.fiffkon.de.


Veranstaltungsort

Standort:
Überseemuseum
Straße:
Bahnhofsvorplatz
Stadt:
Bremen

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